Bodenverbrauch

Global und auch schweizweit betrachtet wird die Ressource Boden zu einem raren Gut. Der Boden ist die knappste nicht erneuerbare Ressource der Schweiz. Dabei erfüllen Böden zahlreiche lebenswichtige Funktionen. Sie sind Grundlage für unsere Nahrungsproduktion, die Speicherung und Filterung unseres Trinkwassers, als Standort für Siedlungen und der Biodiversität. Grund genug, dazu Sorge zu tragen.

Aus wenig wird noch weniger

In der Schweiz sind nur zirka 30 Prozent der Landesfläche nutzbar für Siedlungsbau oder Landwirtschaft. Die übrigen 70 Prozent der Landesfläche bestehen aus Wald und Gebüsch, Gewässer, Fels und Eis. Dem Wald kommt dabei eine Sonderstellung zu, da seine Fläche seit der Einführung des Forstpolizeigesetzes 1876 nicht vermindert werden darf.

Um die nutzbaren Flächen konkurrieren unterschiedliche Interessen, wobei sich in den letzten Jahrzehnten die Siedlungsfläche grösstenteils auf Kosten der Landwirtschaftsfläche stark ausdehnte. Die Siedlungsfläche nahm gemäss Arealstatistik von 1985 bis 2009 um 23 Prozent zu. Bildlich gesprochen wurde jährlich eine Fläche von über 24 km2 analog der Stadt Basel neu besiedelt.

Die Grafik "Herkunft der Siedlungsflächen" auf der rechten Seite zeigt die Herkunft respektive die Bilanz der Siedlungsflächen: 90 Prozent stammt von Landwirtschaftsflächen. Am meisten Boden wurde durch den Neubau von Gebäuden und Verkehrsflächen versiegelt. Dabei beanspruchte der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern mitsamt ihrem Umschwung am meisten Platz: Mehr als 15‘500 Hektaren Landwirtschaftsflächen sind alleine dadurch verloren gegangen. Während derselben Zeit wuchs die Bevölkerung um 17.5 Prozent und vergrösserte sich die für Wohnbauten benötigte Fläche um 44.1 Prozent. Die beanspruchte Wohnfläche nahm damit zweieinhalb Mal so schnell zu wie die Bevölkerung. Das Bedürfnis nach grösseren Wohnungen, der Trend zu kleineren Haushalten und die erhöhte Mobilität mit Wunsch nach mehr Parkplätzen sowie Strassen führten zu einem starken Wachstum des Bodenverbrauchs.

Folgen für die Landwirtschaft und Umwelt

Entsprechend hoch ist der Druck auf die Böden und die Umwelt. Folgen der Ausweitung von Siedlungs- und Verkehrsflächen sind der Verlust fruchtbarer Landwirtschaftsböden, naturnaher Flächen mit ihrer Biodiversität und natürlicher Bodenfunktionen sowie weitere Zersiedelung und Landschaftszerschneidung. Gesamtschweizerisch betrachtet ist zwar noch genügend ackerfähiges Kulturland (Fruchtfolgeflächen) vorhanden, aber der angestrebte Mindestumfang ist in einigen Kantonen schon seit Langem unterschritten. Die Biodiversität nimmt ab: Mehr als ein Drittel aller untersuchten Arten sind bedroht und bis zu zwei Drittel aller Lebensraumtypen gelten als gefährdet. Auch der Zustand der Böden ist kritisch zu beurteilen: Die bisherigen Bestrebungen zu Schutz naturnaher Böden vor Überbauung oder Schädigung durch unangepasste Nutzung sind nicht ausreichend.

Die Revision des Raumplanungsgesetzes aus dem Jahr 2012 verfolgt das Ziel, den Bodenverbrauch einzudämmen. Damit sollen auch hohe volkswirtschaftliche Kosten für die Erschliessung von Siedlungen auf der grünen Wiese durch Strassen und andere Infrastrukturbauten vermieden werden. Zudem verspricht das nationale Forschungsprogramm 68 „Ressource Boden“ neue Erkenntnisse und Impulse, welche die nachhaltige Nutzung des Bodens verbessern sollen.