Siedlungsentwicklung

In der Schweiz ist es gemäss Raumplanungsgesetz gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Gemeinden, dafür zu sorgen, dass der Boden haushälterisch genutzt und das Baugebiet vom Nichtbaugebiet getrennt wird. Der Bundesrat setzte sich im Rahmen seiner Strategie für eine nachhaltige Entwicklung zum Ziel, die Siedlungsfläche bei 400m2 pro Person zu stabilisieren. Sie erhöhte sich von 387m2 im Jahr 1985 jedoch auf 407m2 pro Person im Jahr 2009. Nach der Revision des Raumplanungsgesetzes im 2012 sollen sich die Siedlungen künftig primär innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes entwickeln, bevor neue Bauzonen geschaffen werden.

Steigende Zersiedelung

Der Grundsatz, dass ausserhalb der Bauzonen nicht gebaut werden darf, wurde in Vergangenheit mit zahlreichen Ausnahmeregelungen gelockert. So stehen heute ausserhalb der Bauzonen über 100‘000 reine Wohngebäude ohne Nebennutzung wie beispielsweise ein landwirtschaftliches Betriebsgebäude. Weitere 500‘000 Gebäude kommen noch hinzu, wenn man Bauten wie beispielsweise Wohngebäude mit Nebennutzungen, landwirtschaftliche Ökonomiegebäude oder Sport- und Verkehrsanlagen miteinbezieht. Entsprechend stark nahm die Zersiedelung in der Schweiz zu, denn eine Landschaft ist umso stärker zersiedelt, je stärker sie von Gebäuden durchsetzt ist. Die Zersiedelung hat sich zwischen 1935 und 2002 mehr als verdoppelt. Als stärkster Treiber für einen weiteren Anstieg der Zersiedelung gilt die hohe und weiter steigende Siedlungsfläche pro Person. Die Vermeidung zusätzlicher Siedlungsfläche ist deshalb die wirksamste und wichtigste Gegenmassnahme.

Siedlungsentwicklung nach innen

Voraussetzung für eine erfolgreiche Siedlungsentwicklung nach innen ist neben der Siedlungsbegrenzung die Mobilisierung der inneren Nutzungsreserven (planungsrechtliche Reserven innerhalb des weitgehend überbauten Gebiets). Die ETH schätzt diese im Rahmen einer auf konservativen Annahmen basierenden, gesamtschweizerischen Studie auf zwischen 5‘300 bis 15‘600 ha Geschossflächen. Es liegen also erhebliche innere Nutzungsreserven vor. Diese qualitativ hochstehend zu entwickeln, ist nicht nur aus raumplanerischen, sondern auch aus ökonomischen Gesichtspunkten attraktiv. Denn die Infrastrukturkosten pro Kopf und Jahr sind bei einer räumlich dispersen Entwicklung bis zu drei Mal höher als bei einer verdichteten Siedlungserweiterung. Besonders ins Gewicht fallen dabei die Verkehrsflächen. Ihre Erstellung und Unterhalt sind nicht nur flächenintensiv, sondern auch teuer. Knapp ein Drittel der Siedlungsfläche fällt auf den Bereich Verkehr, wobei zwischen 1985 und 2009 alleine das Parkplatzareal um 56 Prozent oder knapp 1'500 ha vergrössert wurde. Experten schätzen, dass in der Schweiz zwischen 8 und 10 Millionen Parkplätze existieren: Doppelt so viele, wie es Autos gibt. Innenentwicklung ist darum nicht nur flächensparender, sondern führt langfristig auch zu beachtlichen Kosteneinsparungen für die privaten Haushalte und die öffentliche Hand.